#2 - Erfolgreich Investieren mit System: Meine 8 Prinzipien für kluge Geldanlagen

#2 - Erfolgreich Investieren mit System: Meine 8 Prinzipien für kluge Geldanlagen

"Es ist weit besser, ein wunderbares Unternehmen zu einem fairen Preis zu kaufen, als ein faires Unternehmen zu einem wunderbaren Preis." - Warren E. Buffett

Willkommen zurück! Nachdem wir im ersten Beitrag die Grundlagen unserer gemeinsamen Reise durch die Welt des Investierens gelegt haben, möchte ich heute tiefer in die Welt meiner Anlagestrategie eintauchen.

Die Kunst des Investierens liegt nicht nur im Kaufen und Verkaufen von Aktien, sondern vielmehr im fundierten Verständnis und in der konsequenten Anwendung bewährter Prinzipien.

Lass uns gemeinsam einen Blick auf die acht Säulen meiner Anlagestrategie werfen. Hier zunächst ein Überblick:

1️⃣ Aktien = Unternehmensanteile: Würde ich das Unternehmen auch als Ganzes kaufen?

2️⃣ Kompetenzkreis: Verstehe ich die Funktionsweise, Chancen und Risiken des Geschäftsmodells?

3️⃣ Burggraben: Was sind die langfristigen Wettbewerbsvorteile? (Skaleneffekte, Lock-in-Effekte, Patente usw.)

4️⃣ Management: Vertraue ich dem Management und dessen Handeln?

5️⃣ Langfristiges Investieren: Welche Unternehmen stehen mit hoher Wahrscheinlichkeit in 10 Jahren deutlich besser da als heute?

6️⃣ Wachstumswerte: Was sind die Wachstumstreiber, die in Zukunft zu jährlichen Gewinnwachstumsraten von mindestens 10% im Durchschnitt führen können?

7️⃣ Sicherheitsmarge: Besteht eine vorteilhafte Differenz zwischen Börsenpreis und meinem berechneten Unternehmenswert?

8️⃣ Fokussierung: Was sind nach diesen Kriterien die besten 8-15 Unternehmen, die ich kaufen kann?

➡️ Und hier nun mehr Details zu den Prinzipien, die ich aus meinen Erfahrungen als Privatanleger und entsprechender Fachliteratur abgeleitet habe:

1️⃣ Aktien = Unternehmensanteile: Würde ich das Unternehmen auch als Ganzes kaufen?

Eine Aktie ist mehr als nur ein Wertpapier – es ist ein Anteil am Eigenkapital eines Unternehmens. Beim Kauf einer Aktie wirst du zum Miteigentümer.

Eine zentrale Frage stelle ich mir bei jedem Aktienkauf: Angenommen, ich hätte das Geld, würde ich das gesamte Unternehmen (z.B. Apple) kaufen?

Dieses Gedankenexperiment hilft, den Blick von kurzfristigen Aktienkursbewegungen auf die langfristige Entwicklung des Unternehmens zu lenken.

Investieren mit Unternehmer-Mentalität bedeutet, dass man akzeptiert: Langfristig folgt der Aktienkurs immer der Unternehmensentwicklung. Während kurzfristige Schwankungen durch Marktstimmungen und Psychologie beeinflusst werden, sollte der Fokus stets auf den fundamentalen Daten des Unternehmens liegen, um langfristiges und stabiles Wachstum zu erzielen. So machen es auch alle erfolgreichen Investoren, einschließlich Warren Buffett und Charlie Munger.

2️⃣ Kompetenzkreis: Verstehe ich die Funktionsweise, Chancen und Risiken des Geschäftsmodells?

Die Komplexität der Faktoren, die ein Unternehmen beeinflussen, kann überwältigend sein. Daher ist es entscheidend, ein tiefes Verständnis für ein Unternehmen zu entwickeln.

Ein einfacher Test: Könnte ich das Investment meiner Oma in einfachen Worten erklären? 

Nur wenn du in der Lage bist, deine Gedanken klar und verständlich zu formulieren, hast du das Investment wirklich verstanden.

Es ist wichtig, das Kerngeschäft eines Unternehmens genau zu verstehen: Wie generiert es Umsätze? Wer sind seine Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter? Welche Stärken und Schwächen hat es, und welche Chancen und Risiken stehen dem gegenüber?

Die Selbstreflexion ist ebenfalls entscheidend: Besitze ich die notwendige Expertise, um das Unternehmen gründlich zu analysieren und zu bewerten? Oftmals ist die Antwort darauf "Nein".

Zum Beispiel: Bei der Analyse eines Biotechnologie-Unternehmens solltest du dich fragen: Habe ich das nötige Wissen über die zugrundeliegenden Technologien, Forschungsergebnisse und regulatorischen Anforderungen, die für den Erfolg des Unternehmens entscheidend sind?

3️⃣ Burggraben: Was sind die langfristigen Wettbewerbsvorteile? (Skaleneffekte, Lock-in-Effekte, Patente usw.)

Stell dir vor, du entdeckst eine brillante Geschäftsidee, gründest ein Unternehmen, und die Geschäfte laufen gut, du machst sogar gute Gewinne damit. Bald schon locken diese Gewinne aber schon Mitbewerber an, die ebenfalls ein Stück vom Kuchen abhaben wollen. Die Konkurrenten bieten ähnliche Produkte an und ein erbitterter Preiskampf beginnt. Die Preise fallen, einige Unternehmen scheitern, und schließlich stellt sich ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage ein. Die Gewinne für einzelne Unternehmen sind nur noch minimal. 

Hier tritt der 'Burggraben' in Aktion: Unternehmen mit einer solchen Eigenschaft bieten etwas Einzigartiges an, das nicht einfach kopiert werden kann. Dieser metaphorische Graben schützt das Unternehmen vor der Konkurrenz, indem er erhebliche Hindernisse schafft, um auf das gleiche Niveau zu gelangen. Unternehmen mit einem starken Burggraben stehen oft alleine da, unerreicht und einzigartig in dem, was sie tun, und das wird von den Kunden wahrgenommen und geschätzt.

Als Beispiel nimm Amazon, das sich durch seine globale Logistikinfrastruktur und starke Kundenbindung mittels Amazon Prime einen beeindruckenden Burggraben geschaffen hat. Das ermöglicht nicht nur dem Unternehmen, Pakete blitzschnell zu versenden (oft innerhalb eines Tages), sondern generiert auch wiederkehrende Einnahmen durch die Prime-Mitgliedschaften (davon können die meisten Online-Händler nur träumen).

4️⃣ Management: Vertraue ich dem Management und dessen Handeln?

Das Management eines Unternehmens hat oft einen tieferen Einblick in die Vermögenswerte des Unternehmens und mehr Kontrollen darüber als jeder Investor.

Hier spielt das 'Principal-Agent-Problem' eine Rolle: Das Management könnte andere Anreize haben als du als Investor. Zum Beispiel will der Investor einen langfristig steigenden Aktienkurs, aber der Manager will nur ein höheres Gehalt. Der Manager tut also nur Dinge, um sein Gehalt zu steigern, die aber nicht zwangsläufig im Einklang mit den Interessen der Investoren stehen.

Die ideale Investition? Ein Unternehmen, bei dem Management und Aktionäre dieselben Anreize haben. Das kann beispielsweise erreicht werden, wenn das Management wesentliche Anteile am Unternehmen hält, was in der Regel eine langfristige Steigerung des Aktionärswerts ermöglicht.

Ein weiterer wichtiger Indikator ist die Erfolgsbilanz des Managements:

Wie erfolgreich hat das Management das Unternehmen bisher geführt?

Wie wurde mit Rückschlägen und Misserfolgen umgegangen?

Und wie wurde das kommuniziert?

Diese Fragen helfen dir, die Vertrauenswürdigkeit des Managements zu bewerten und eine bessere Investitionsentscheidung zu treffen.

5️⃣ Langfristiges Investieren: Welche Unternehmen stehen mit hoher Wahrscheinlichkeit in 10 Jahren deutlich besser da als heute?

Langfristiges Investieren geht über den bloßen Aktienkauf hinaus: es ist eine Investition in die Zukunft eines Unternehmens.  Die Kunst liegt darin, Unternehmen mit solider Performance und zukunftsfähigen Geschäftsmodellen zu identifizieren. Hierbei sind Faktoren wie nachhaltige Wettbewerbsvorteile, innovatives Management und eine starke Marktposition entscheidend.

Langfristiges Investieren erfordert nicht nur Geduld und Disziplin, sondern auch den festen Glauben an die ausgewählten Unternehmen und ihre Zukunftsvisionen. Es ist ein Weg, der sich auf die langfristige Performance und die strategische Ausrichtung des Unternehmens konzentriert, unbeeindruckt von kurzfristigen Marktschwankungen.

Hier ist es wichtig, dass du bei einem Unternehmen auch grob einschätzen kannst wie es in 10 Jahren da steht. Als Fragen kannst du dir stellen:

Wird es die aktuellen Produkte des Unternehmens in 10 Jahren noch geben?

Welche neuen Produkte wird das Unternehmen in der Zeit auf den Markt bringen?

Wie könnte sich das Wettbewerbsumfeld ändern?

Steht das Unternehmen in 10 Jahren wahrscheinlich besser oder schlechter da als heute?

Beispiel: Nehmen wir Coca Cola. Die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen in 10 Jahren noch die Getränke von Coca Cola kaufen werden, ist sehr hoch. Das Vertriebsnetz und die Markenbekanntheit werden weiterhin stark sein. Ich halte es daher für unwahrscheinlich, dass das Unternehmen in 10 Jahren schlechter dastehen wird als heute. 

6️⃣ Wachstumswerte: Was sind die Wachstumstreiber, die in Zukunft zu jährlichen Gewinnwachstumsraten von mindestens 10% im Durchschnitt führen können?

Wachstumswerte sind für mich besonders attraktiv, weil sie die Aussicht auf hohe Renditen bieten. Doch wie identifiziert man solche Perlen im Unternehmensuniversum?

Ein Wachstumswert zeichnet sich durch eine überdurchschnittliche Gewinnwachstumsrate aus, idealerweise mindestens 10%. Hierbei sind bestimmte Wachstumstreiber entscheidend:

  1. Innovation: Stetige Investitionen in Forschung und Entwicklung.
  2. Marktposition: Eine starke oder einzigartige Position im Markt.
  3. Skalierbarkeit: Die Fähigkeit, das Geschäftsmodell zu erweitern und in neue Märkte einzutreten.
  4. Finanzielle Gesundheit: Ein robustes finanzielles Fundament für Investitionen und Krisenbewältigung.

Hier ein Beispiel: Tesla zeigt mit einer klaren Strategie, wie Expansion gelingt. Das Model S war seit 2012 ein Hit. Dann kam 2017 das Model 3 und sprach durch seinen niedrigeren Verkaufspreis mehr Leute an. Aus meiner Sicht war es klar, dass dieses Auto Teslas Erfolg und Kundenkreis drastisch vergrößern würde. Also investierte ich 2018 in Tesla. Das Model 3 ließ Teslas Produktion und Umsatz stark wachsen. Deutlich stärker als die 10% pro Jahr

7️⃣ Sicherheitsmarge: Besteht eine vorteilhafte Differenz zwischen Börsenpreis und meinem berechneten Unternehmenswert?

Die Sicherheitsmarge spielt eine entscheidende Rolle in meiner Investitionsstrategie, indem sie als Puffer gegen Fehleinschätzungen und unvorhersehbare Marktveränderungen dient. Wenn ich von der Sicherheitsmarge spreche, meine ich die Differenz zwischen dem intrinsischen Wert eines Unternehmens - also dem berechneten, "wahren" Wert - und seinem aktuellen Börsenpreis. Ein kluger Investor sucht nach Gelegenheiten, bei denen der Börsenpreis deutlich unter dem berechneten Unternehmenswert liegt.

Die Sicherheitsmarge dient dabei zwei Hauptzwecken: Erstens mildert sie die Auswirkungen möglicher Fehleinschätzungen oder unerwarteter negativer Entwicklungen ab, indem sie einen finanziellen Spielraum bietet. Zweitens erhöht sie die potenzielle Rendite, wenn man eine Aktie unter ihrem wahren Wert kauft und darauf wartet, dass der Markt diesen erkennt und den Preis entsprechend anpasst.

Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Angenommen, nach sorgfältiger Analyse berechnest du den intrinsischen Wert einer Aktie auf 100 Euro, während sie aktuell an der Börse für 70 Euro gehandelt wird. Hier beträgt deine Sicherheitsmarge 30 Euro pro Aktie oder 30%. Dieser Puffer schützt dich nicht nur vor möglichen Verlusten, falls du in deiner Analyse etwas übersehen hast oder sich die Marktbedingungen ändern, sondern bietet auch eine attraktive Renditechance, wenn der Markt den Preis der Aktie schließlich auf (oder in Richtung) ihres intrinsischen Werts korrigiert. Angenommen, die Aktie steigt von 70 Euro auf 100 Euro, dann würde das einer Rendite von 43% entsprechen. So schafft die Sicherheitsmarge eine Win-Win-Situation für den Investor, indem sie das Risiko minimiert und gleichzeitig die Aussicht auf Gewinn maximiert.

8️⃣ Fokussierung: Was sind nach diesen Kriterien die besten 8-15 Unternehmen, die ich kaufen kann?

Fokussiertes Investieren bedeutet, sein Kapital bewusst in eine handverlesene Auswahl von Unternehmen zu stecken, statt es auf viele durchschnittliche Firmen zu verteilen.

Das Konzept, sich auf 8-15 herausragende Unternehmen zu konzentrieren, basiert auf dem Prinzip, dass solche Firmen mit soliden Geschäftsstrukturen und klaren Wettbewerbsvorteilen in Bezug auf Rendite und Risiko überdurchschnittlich abschneiden. Unabhängig von der Marktphase tendieren sie dazu, eine überlegene Performance zu zeigen, was sie für mich zu besonders begehrten Investitionszielen macht.

Die Beschränkung auf eine kleinere Anzahl an Investments fördert zudem eine tiefere Analyse und ein besseres Verständnis jedes einzelnen Unternehmens. Denn Risiken entstehen oft dann, wenn du nicht weißt, was du tust. Diese selektive Herangehensweise verhindert also, dass deine Rendite durch mittelmäßige Investments verwässert wird und ermutigt dazu, nur in Firmen zu investieren, deren Geschäftsmodell und Zukunftsaussichten du vollständig verstehst und an die du glaubst. So entsteht ein widerstandsfähiges und renditestarkes Portfolio auf Basis fundierter Entscheidungen.

Ein praxisnahes Beispiel: Stell dir vor, du hast 100 Unternehmen analysiert und sie basierend auf ihrer Qualität und Performance in eine Rangliste von eins bis hundert eingeteilt. Anstatt dein Kapital von 10.000€ gleichmäßig auf alle Unternehmen zu verteilen, wäre es strategisch klüger, nur in die Top-Unternehmen zu investieren.  Anstatt also dein Kapital in 100€-Anteile zu zerlegen und in jedes Unternehmen zu investieren, könntest du beispielsweise entscheiden, nur in die besten 10 Unternehmen zu investieren und jeweils 1.000€ in jedes dieser Top-Unternehmen zu stecken. Auf diese Weise konzentriert sich dein Investment auf die Unternehmen mit der höchsten erwarteten Performance und Qualität, wodurch das Potenzial für höhere Renditen und ein geringeres Risiko im Vergleich zur Streuung über alle 100 Unternehmen entsteht. Dieser fokussierte Ansatz zwingt dich dazu, nur die besten und vielversprechendsten Unternehmen in dein Portfolio aufzunehmen, was zu einer stärkeren und qualitativ hochwertigeren Investmentstrategie führt.

Mein Fazit: Das sind die acht Säulen bzw. Prinzipien, die meine Investmententscheidungen leiten. Jeder Investor sollte aus meiner Sicht seine eigene Perspektive und Herangehensweise haben und eigene Investmentprinzipien entwickeln. Diese Prinzipien dienen als solides Fundament und bieten ein klares Rahmenwerk, das hilft, durch die oft turbulente Welt der Finanzmärkte zu navigieren. Es ist nicht nur wichtig, zu wissen, in was man investiert, sondern auch warum. Indem man sich eigene, gut durchdachte Prinzipien setzt, kann man mit größerer Sicherheit und Klarheit investieren. Ich kann dich nur ermutigen, dir die Zeit zu nehmen, über deine eigenen Prinzipien und Überzeugungen nachzudenken und sie als Leitfaden für deine Investmententscheidungen zu nutzen. Denn am Ende des Tages ist es diese individuelle Strategie und Disziplin, die den Unterschied zwischen einem durchschnittlichen und einem herausragenden Investor ausmacht.

Hab einen schönen Tag!

Liebe Grüße

Max