#6 - Die Jagd nach Tenbaggern: Wie du Aktien findest, die sich verzehnfachen

#6 - Die Jagd nach Tenbaggern: Wie du Aktien findest, die sich verzehnfachen

"Wenn du $1.000 in eine Aktie investiert, kannst du nur $1.000 verlieren, aber du kannst mit der Zeit $10.000 oder sogar $50.000 gewinnen, wenn du geduldig bist." - Peter Lynch

  

Was ist ein Tenbagger?

Das Wort "Tenbagger" ist ein Begriff, der eine Investition beschreibt, die sich verzehnfacht hat. Einfach ausgedrückt, wenn du für 1.000€ Aktien von einem Unternehmen kaufst und nach ein paar Jahren die Aktien 10.000€ wert sind, hast du einen Tenbagger - herzlichen Glückwunsch!

Der Begriff wurde von dem berühmten Fondsmanager und Investor Peter Lynch geprägt. Peter Lynch leitete den Magellan-Fonds von 1977 bis 1990. Als Lynch Magellan verließ, hatte der Fonds ein Vermögen von $19 Milliarden erreicht und umfasste mehr als 1.000 Aktienpositionen. In den 13 Jahren seiner Führung erzielte Lynch eine durchschnittliche jährliche Rendite von 29,2%. Eine Investition von tausend Dollar am Tag, an dem Lynch Magellan übernahm, wäre bis zu seinem Ausscheiden auf $28.000 angewachsen.

Nicht zu unterschätzen ist aber auch die Tatsache, dass während Lynchs Amtszeit der S&P 500 fast kontinuierlich stieg, von weniger als 100 auf über 320 Punkte. Trotzdem hat Lynch den Markt in der Zeit um den Faktor 9 übertroffen bzw. eine Überrendite von 29,2% p.a. versus die 9,36% p.a. des S&P500 generiert. Wesentlicher Grund dafür waren die mehr als hundert Tenbagger-Aktien, die Lynch während dieser Zeit für den Magellan-Fonds erwarb. Zu diesen zählten Unternehmen wie Fannie Mae, Ford, Philip Morris, Taco Bell, Dunkin' Donuts und General Electric.

Es klingt nach einem Traum für jeden Investor, aber es ist nicht immer einfach, solche Erfolge zu erreichen. Ich selbst hatte bereits zwei Tenbagger: Tesla und Nvidia. Diese Investitionen haben mein Leben verändert und ich bin auf der Suche nach dem nächsten Tenbagger. In diesem Artikel werden wir uns ansehen, wie du Tenbagger finden kannst, warum sie so besonders sind und welche Risiken damit verbunden sind.

Selbst ein einzelner Tenbagger in deinem Portfolio kann eine enorme Auswirkung haben. Betrachten wir ein Beispiel: Angenommen, du investierst 10.000€ gleichmäßig aufgeteilt in 10 Aktien. Eine dieser Aktien wird innerhalb von 5 Jahren zum Tenbagger, während die anderen neun Aktien jährlich um 7% wachsen (entspricht der durchschnittlichen Jahresrendite des DAX). Durch diese Kombination steigt der Wert deines Portfolios auf etwa 22.623€ an. Das entspricht einer beeindruckenden jährlichen Wachstumsrate von 17,74%! Dieses herausragende Ergebnis wurde lediglich durch eine einzige außergewöhnliche Investition erzielt, während die restlichen 90% deines Portfolios lediglich durchschnittliche Ergebnisse erbrachten.

 

Wie finde ich Tenbagger?

Hier sind hilfreiche Kriterien nach Peter Lynch, um mögliche Tenbagger früh zu entdecken:

1) Langweiliger oder lächerlicher Firmenname: Unternehmen mit solchen Namen werden oft an der Börse übersehen. Beispiel: Fastenal - Ein Unternehmen, das Befestigungsprodukte verkauft. Der Name klingt unspektakulär, aber das Unternehmen hat in der Vergangenheit solide Renditen erzielt. Fastenal notierte Anfang 2009 mit einem Börsenwert von rund $3,5 Milliarden. Ende 2023 waren es bereits über $35 Mrd. 

2) Unangenehmes Geschäft: Unternehmen, die in einem Bereich tätig sind, der als unattraktiv oder abstoßend gilt, können gute Investitionsmöglichkeiten bieten. Beispiel: Waste Management - Ein Unternehmen, das sich mit Müllentsorgung beschäftigt. Es mag nicht glamourös sein, aber es ist ein stabiles Geschäft. Anfang 2000 war Waste Management an der Börse mit $6 Mrd. bewertet und Ende 2023 mit rund $64 Mrd. - mehr als ein 10x.

3) Spin-offs: Ausgliederungen von Unternehmensteilen können sich zu guten Anlagemöglichkeiten entwickeln. Beispiel: Ferrari - Ursprünglich ein Teil von Fiat, wurde es später ausgegliedert und hat sich als eigenständiges Unternehmen hervorragend entwickelt. Als Unternehmen war Fiat im Jahr 2011 nur mit rund $5 Mrd. bewertet (inklusive Ferrari!). Anfang 2016 war der Spin-off von Ferrari. Im Jahr 2023 ist alleine Ferrari mehr als $60 Mrd. an der Börse wert.

4) Wenig Beachtung durch Analysten: Aktien, die von wenigen oder keinen Analysten verfolgt werden, können potenzielle Gewinner sein. Denn Aktien, die wenig im Fokus von Analysten stehen, werden wenig beachtet und dadurch können sich große Chancen ergeben.

5) Depressive Natur des Unternehmens: Unternehmen, die in Branchen tätig sind, die als deprimierend gelten, können gute Investitionsmöglichkeiten bieten. Beispiel: Keiner beschäftigt sich gerne mit dem Tod. Trotzdem haben Beerdigungsunternehmen wie Service Corp. ein sehr stabiles Geschäft und wurde seit 2010 zu einem Tenbagger: Von einem Börsenwert von $800 Mio. ging es auf $8,8 Mrd. in 2023.

6) Stagnierende Branche: Selbst in Branchen ohne Wachstum können sich attraktive Investitionschancen ergeben. Die Tabakindustrie ist hierfür ein prägnantes Beispiel. Obwohl weltweit die Zahl der Raucher tendenziell sinkt, verzeichnete British American Tobacco von 2000 bis 2017 eine beeindruckende Steigerung seines Börsenwerts von $14 Milliarden auf $140 Milliarden. Ein entscheidender Faktor für diesen Erfolg ist das Fehlen neuer Konkurrenten in stagnierenden oder schrumpfenden Branchen. Das verschafft den etablierten Unternehmen einen Vorteil, da sie weniger Wettbewerbsdruck haben und somit die Früchte ihrer bisherigen Investitionen effektiver nutzen können.

7) Nischenunternehmen: Unternehmen, die in einer spezifischen Nische operieren, haben oft einen wirtschaftlichen Burggraben. Ein Beispiel dafür ist Tesla. Das Unternehmen startete im Jahr 2008 mit dem Tesla Roadster in der Nische für Elektroauto-Sportwagen. Das Unternehmen hatte damals quasi keine Konkurrenz und konnte die Nische komplett besetzen und in weitere Segmente expandieren. Der Börsenwert stieg daher seit dem IPO 2010 von $2 Mrd. auf $20 Mrd. in 2013.

8) Wiederkehrende Einnahmen: Unternehmen, die Produkte oder Dienstleistungen anbieten, die regelmäßig nachgekauft werden müssen. Beispiel: Adobe - Mit seinem Abonnementmodell für Softwareprodukte generiert das Unternehmen regelmäßige und profitable Umsätze. Der Börsenwert von Adobe erhöhte sich von $30 Mrd. in 2013 auf $300 Mrd. in 2021.

9) Nutznießer neuer Technologien: Unternehmen, die von technologischen Entwicklungen profitieren, ohne direkt in der Technologiebranche tätig zu sein. Beispiel: Nvidia - die Grafikkarten des Unternehmens können sowohl von Trends wie Gaming, Krypto-Mining und KI profitieren. Von 2018 bis 2023 stieg der Börsenwert von $90 Mrd. auf über $900 Mrd. - ebenfalls ein 10x.

10) Insiderkäufe: Wenn Mitarbeiter oder Führungskräfte eines Unternehmens Aktien des eigenen Unternehmens kaufen, ist das oft ein positives Zeichen. Beispiel: Wenn die Führungskräfte von Netflix Aktien des eigenen Unternehmens im wesentlichen Umfang kaufen, zeigt das ihr Vertrauen in das zukünftige Wachstum des Unternehmens. Insider und gerade das Management sind viel mehr im operativen Geschäft Unternehmens eingebunden und können daher die zukünftige Entwicklung oft besser einschätzen. 

    

Mit diesen 10 Denkansätzen bis du gut ausgestattet, um auf die Suche nach Tenbaggern zu gehen. Selbst wenn du nur alle paar Jahre einen potenziellen Tenbagger entdeckst, ist das mehr als genug.

 

Was sind die Risiken von Tenbaggern?

Wichtig ist aber auch, dass du auch immer auf die Risiken schaust. Denn Unternehmen mit starken Chancen haben oft auch entsprechende Risiken. Hier ist es wichtig auf eine entsprechende Sicherheitsmarge beim Kauf zu achten.  Mögliche Risiken bei einem Investment in Tenbagger können sein:

1) Zu hohe Bewertung: Wachstumsunternehmen sind oft hoch bewertet. Gerade in Zeiten steigender Zinsen oder wirtschaftlichen Krisen sind solche Bewertungen besonders anfällig für Schwankungen. Nicht jedes herausragende Unternehmen ist automatisch eine außergewöhnliche Investition. Eine Überzahlung für Qualität kann negative Konsequenzen nach sich ziehen.

2) Nachlassendes Wachstum: Der Übergang eines Unternehmens von einer Hyper-Wachstumsphase (z.B. über 30% pro Jahr) zu einer moderateren Wachstumsphase (z.B. 10%-15% pro Jahr) kann problematisch sein. Die hohen Erwartungen an das Wachstum führen oft dazu, dass Unternehmen stark abgestraft werden, sobald das Wachstum einmal nachlässt.

3) Hohe Volatilität: Tenbagger sind oft mit einer hohen Volatilität verbunden, was zu signifikanten Kursschwankungen führen kann. Das kann besonders für risikoscheue Anleger problematisch sein, die nicht die Nerven haben, um solche Kursschwankungen zu ertragen.

4) Fehleinschätzungen: Die Identifizierung von potenziellen Tenbaggern beruht oft auf Prognosen. Fehleinschätzungen in Bezug auf Marktbedingungen, Unternehmensleistung oder technologische Entwicklungen können zu erheblichen Verlusten führen.

5) Geringe Diversifikation: Die Konzentration auf einzelne potenzielle Tenbagger kann zu einer unzureichenden Diversifikation des Portfolios führen. Das kann das Risiko erhöhen, da das gesamte Anlageergebnis von wenigen Investitionen abhängig ist. Hier ist es wichtig, seine Hausaufgaben bei der Tenbagger-Suche zu machen.

6) Fehlende historische Daten: Einige potenzielle Tenbagger sind jüngere oder kleinere Unternehmen mit begrenzten historischen Performance-Daten. Das erschwert die Einschätzung ihres wahren Potenzials.

7) Änderungen in der Branche oder im Marktumfeld: Schnelle Veränderungen in der Industrie, Technologie oder im wirtschaftlichen Umfeld können den Wert eines potenziellen Tenbaggers schnell mindern.

8) Liquiditätsrisiken: Einige Tenbagger-Kandidaten stehen möglicherweise auf weniger starken finanziellen Füßen. Daher ist es wichtig, die finanzielle Situation des Unternehmens genau zu beurteilen und potenzielle Risiken früh zu erkennen. 

 

Ich hoffe, dieser Artikel hat dich inspiriert aktiv nach Tenbaggern zu schauen. Sie können dein Leben verändern, so wie sie mein Leben verändert haben. 

Bis zum nächsten Mal und "Happy Tenbagger Hunting!"

Max

  

Haftungsausschluss: Die Informationen auf diesem Blog dienen nur zu Bildungszwecken und sind keine Anlageberatung. Sie ersetzen nicht die fachkundige Beratung durch einen qualifizierten Finanzberater. Der Autor übernimmt keine Haftung für Entscheidungen, die auf diesen Informationen basieren. Investitionen bergen Risiken, einschließlich des Verlusts von Kapital. Leser sollten eigene Recherchen anstellen oder professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.